Kniearthrose und Photobiomodulation: Was aktuelle Studien zeigen
Die Kniearthrose, auch Gonarthrose genannt, ist eine der häufigsten chronischen Gelenkerkrankungen in Frankreich. Schmerzen beim Gehen, Steifheit beim Aufstehen, Treppensteigen wird zur Qual: Für Millionen von Menschen wird dieser fortschreitende Knorpelabbau zum Alltag und beeinträchtigt nach und nach die Lebensqualität. Angesichts der Grenzen klassischer Entzündungshemmer, deren Wirksamkeit nur teilweise gegeben ist und deren Verträglichkeit auf lange Sicht manchmal schwierig ist, stößt die Photobiomodulation auf wachsendes Interesse. Hier erfahren Sie, was die Forschung wirklich sagt.
Kniearthrose: Was im Gelenk vor sich geht
Arthrose ist nicht einfach nur eine Frage altersbedingter mechanischer Abnutzung. Es handelt sich um einen aktiven Prozess, bei dem Entzündungen eine zentrale Rolle spielen. Wenn sich der Knorpel im Knie abbaut, setzen die umliegenden Zellen entzündungsfördernde Substanzen, sogenannte Zytokine, frei, die wiederum den Abbau des Gelenkgewebes vorantreiben. Es entsteht ein Teufelskreis: Der Schmerz schränkt die Bewegungsfähigkeit ein, die Bewegungsarmut verstärkt die Steifheit und beschleunigt den Muskelabbau rund um das Gelenk.
Eine Gonarthrose äußert sich durch mechanische Schmerzen, die sich bei Belastung verstärken, durch Knacken im Gelenk, eine zeitweise auftretende Schwellung des Knies und eine fortschreitende Einschränkung des Bewegungsumfangs. Bei manchen Betroffenen beeinträchtigen die chronischen Schmerzen schließlich den Schlaf und die Stimmung, was die Auswirkungen auf die Lebensqualität noch weiter verstärkt.
Es geht also um zwei Dinge: die Entzündung zu lindern, um die Schmerzen zu bewältigen, und die Gelenk- und Muskelfunktion so weit wie möglich zu erhalten. Genau auf diese beiden Aspekte wirkt die Photobiomodulation (PBM).
Was ist Photobiomodulation?
Die Photobiomodulation ist eine Lichttherapie, bei der LED-Geräte oder Laser mit geringer Leistung zum Einsatz kommen, die Wellenlängen im roten (630–660 nm) und nahen Infrarotbereich (810–850 nm) aussenden. Diese Lichtwellen dringen ohne thermische Wirkung und schmerzfrei in die Haut ein und erreichen das tiefe Gewebe, einschließlich der Muskeln, Sehnen und der Gelenkkapsel des Knies.
Sobald diese Lichtenergie von den Mitochondrien der Zellen aufgenommen wird, löst sie eine Kettenreaktion aus: Die ATP-Produktion steigt, die verfügbare Zellenergie nimmt zu und die natürlichen Mechanismen zur Regulierung von Entzündungen werden aktiviert. Dieser grundlegende Effekt der PBM wird als zelluläre Biostimulation bezeichnet.
Ein wichtiger Hinweis: Die klassische Lichttherapie (Lampe mit weißem Lichtspektrum) zielt auf Stimmungsstörungen oder Störungen des Tagesrhythmus ab. Die Photobiomodulation hingegen wirkt über bestimmte Wellenlängen auf biologisches Gewebe ein und hat messbare Auswirkungen auf die Zellen. Die beiden Ansätze dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Was Studien zur Kniearthrose zeigen
Die Forschung zur PBM bei Gonarthrose hat sich über mehrere Jahrzehnte hinweg entwickelt. Die verfügbaren Daten aus klinischen Studien und Metaanalysen ermöglichen es nun, eine differenzierte, aber vielversprechende Bilanz zu ziehen.
Eine deutliche Linderung chronischer Schmerzen
Mehrere Metaanalysen haben die Gesamtheit der klinischen Studien zum Einsatz von therapeutischen Lasern und LEDs bei Kniearthrose untersucht. Ihre Schlussfolgerungen stimmen überein: Die Photobiomodulation trägt im Vergleich zu einem Placebo zu einer signifikanten Linderung der Gelenkschmerzen bei, wobei bereits nach vier bis sechs Wochen regelmäßiger Behandlungen messbare Effekte feststellbar sind.
Eine in „Photomedicine and Laser Surgery“ veröffentlichte Übersichtsarbeit fasste die Ergebnisse mehrerer randomisierter kontrollierter Studien zusammen, die sich mit Personen befassten, die an chronischer Kniegelenksarthrose leiden. Die anhand standardisierter Skalen bewertete Schmerzlinderung betrug im Durchschnitt 40 bis 50 % im Vergleich zu den Kontrollgruppen. Noch besser: Diese Ergebnisse hielten auch mehrere Wochen nach Beendigung der Sitzungen an, was eine nachhaltige Wirkung auf die Schmerzbehandlung bestätigt.
Eine Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit und der funktionellen Regeneration
Über die Schmerzlinderung hinaus haben mehrere Studien den Bewegungsumfang des Knies vor und nach einer PBM-Behandlung gemessen. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Verbesserung der Beugung und Streckung des Knies sowie eine Verkürzung der morgendlichen Steifheitsphase – jenes so charakteristische Symptom, bei dem man das Knie erst „aufwärmen“ muss, bevor man wieder normal gehen kann.
Die funktionelle Erholung lässt sich zum Teil durch die Wirkung der Infrarotwellen auf das gelenknahe Muskelgewebe erklären. Durch die Verbesserung der Mikrozirkulation und den Abbau von Muskelverspannungen trägt die Lichttherapie dazu bei, eine flüssigere Gelenkbewegung wiederherzustellen, was die Wiederaufnahme einer angepassten körperlichen Aktivität erleichtert.
Eine Modulation der Entzündung auf zellulärer Ebene
Bildgebende Untersuchungen und biologische Messungen haben die lokalen entzündungshemmenden Wirkungen der PBM auf das Kniegelenk belegt. Rotes und infrarotes Licht verringert die Produktion proinflammatorischer Zytokine, insbesondere von Interleukin-1β und TNF-α, die an der fortschreitenden Zerstörung des Gelenkknorpels beteiligt sind. Gleichzeitig fördert es die Kollagensynthese durch die Synovialfibroblasten, unterstützt die Gewebestruktur und trägt zu einer allmählichen Abnahme der lokalen Entzündung bei.
Diese zellulären Prozesse erklären, warum die Wirkung der PBM sich erst nach und nach über mehrere Wochen hinweg einstellt: Es handelt sich nicht um eine sofortige schmerzlindernde Wirkung, wie man sie von Medikamenten kennt, sondern um eine langsame und nachhaltige Regeneration der natürlichen Mechanismen des Gelenks.
Kryotherapie, Physiotherapie, PBM: sich ergänzende Ansätze
Die Photobiomodulation fügt sich nahtlos in eine ganzheitliche Behandlung der Kniearthrose ein. Sie kann mit einer lokalen Kryotherapie (Kälteanwendung) zur Behandlung akuter Entzündungsschübe, mit Physiotherapie zur Stärkung der stabilisierenden Kniemuskulatur oder auch mit Sitzungen zur schrittweisen körperlichen Wiederherstellung kombiniert werden.
Zahlreiche Rheumatologen und Physiotherapeuten kombinieren PBM und funktionelle Rehabilitation mit guten Ergebnissen hinsichtlich der Schmerzlinderung und der Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit. Die Synergie zwischen diesen Ansätzen ermöglicht es oft, den Einsatz von Entzündungshemmern zu reduzieren, was für Personen mit einer Empfindlichkeit gegenüber diesen Medikamenten eine bessere Verträglichkeit für den Magen-Darm-Trakt bedeutet.
Wichtige Hinweise, die Sie vor Beginn beachten sollten
Die Photobiomodulation ist eine der am besten verträglichen Therapien zur Behandlung chronischer Gelenkschmerzen. Bei normaler Anwendung verursacht sie weder übermäßige Wärme noch Hautreizungen und es sind keine Nebenwirkungen bekannt. In einigen Fällen ist jedoch zuvor ein ärztlicher Rat einzuholen:
- Vorliegen eines Tumors oder einer Krebserkrankung in der Vergangenheit im zu behandelnden Bereich
- Einnahme von photosensibilisierenden Medikamenten (bestimmte Antibiotika, Retinoide, Antiepileptika)
- Schwangerschaft, vorsorglich und mangels ausreichender Daten zu diesem Kontext
- Lichtempfindliche Epilepsie bei Verwendung eines Geräts im gepulsten Modus
In allen anderen Fällen können PBM-Behandlungen ohne wesentliche Kontraindikationen in Betracht gezogen werden, auch bei älteren, gebrechlichen Personen oder solchen, die an mehreren Gelenkerkrankungen gleichzeitig leiden.
Die Photobiomodulation – ein wirksames Mittel, um besser mit Arthrose zu leben
Eine Kniearthrose ist mehr als nur ein geschädigtes Gelenk. Sie beeinträchtigt die Mobilität, die Selbstständigkeit, manchmal auch die Stimmung und die Schlafqualität. Die Photobiomodulation verspricht keine Heilung: Knorpel regeneriert sich nicht von selbst. Was sie bietet, ist ein nicht-invasiver, gut dokumentierter und bemerkenswert gut verträglicher Ansatz, der dazu beiträgt, chronische Schmerzen zu lindern, die Gelenkregeneration zu verbessern und wieder etwas mehr Bewegungsfreiheit im Alltag zu erlangen. Bei regelmäßiger Anwendung und im Rahmen einer angemessenen medizinischen Betreuung ermöglichen PBM-Sitzungen vielen Menschen, wieder Fuß zu fassen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.
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