Photobiomodulation bei Long-COVID: Aktueller Stand
Millionen Menschen weltweit leiden unter Symptomen, die weit über die ursprüngliche Infektion hinaus anhalten. Extreme Müdigkeit, „Brain Fog“ und unregelmäßiger Herzschlag: Long COVID hält sich im Körper und im Alltag fest und lässt sich oft nicht mit herkömmlichen Methoden bekämpfen. Die Photobiomodulation mit ihren Wellenlängen im roten und nahen Infrarotbereich stößt auf wachsendes Interesse, um das Wohlbefinden der Betroffenen zu fördern.
Long COVID – ein Syndrom mit vielen Gesichtern
Long COVID, auch Post-COVID-Syndrom genannt, ist durch das Fortbestehen von Symptomen nach einer Infektion definiert, die länger als zwölf Wochen nach der akuten Phase anhalten. Es handelt sich dabei nicht um ein einheitliches Krankheitsbild: Manche Betroffene berichten von stark beeinträchtigender Müdigkeit, andere leiden unter schweren kognitiven Störungen, wieder andere weisen Störungen des autonomen Nervensystems auf.
Zu den am besten dokumentierten Symptomen zählt das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom (POTS). Dieses Syndrom ist durch eine abnormale Beschleunigung der Herzfrequenz gekennzeichnet, wenn die betroffene Person aus der liegenden in die stehende Position wechselt, was zu Schwindel, Tachykardie und extremer Ermüdung bei Anstrengung führt. Bei Menschen, die von Long COVID betroffen sind, zählt POTS zu den am stärksten beeinträchtigenden Symptomen des Post-COVID-Syndroms.
Ein weiteres typisches Symptom ist der „Brain Fog“: Konzentrationsschwierigkeiten, Wortfinde Schwierigkeiten und das Gefühl geistiger Trägheit. Diese kognitiven Beeinträchtigungen betreffen Menschen, die vor der Infektion noch aktiv waren, und haben erhebliche Auswirkungen auf ihr berufliches und privates Leben.
Bei einem Teil der Betroffenen mit Long-COVID bleiben die Entzündungsmarker erhöht, was darauf hindeutet, dass chronische Entzündungsmechanismen zur Aufrechterhaltung der Symptome beitragen. Auch eine mitochondriale Dysfunktion, d. h. die Unfähigkeit der Zellen, ausreichend Energie zu produzieren, wird in mehreren aktuellen Studien erwähnt.
Wie wirkt sich die Photobiomodulation auf diese Mechanismen aus?
Bei der Photobiomodulation (PBM) wird das Gewebe bestimmten Wellenlängen von rotem Licht (zwischen 630 und 700 nm) und Licht im nahen Infrarotbereich (zwischen 800 und 1100 nm) mit geringer Intensität ausgesetzt. Dieses Licht dringt in die Zellen ein und interagiert mit einem Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette, der Cytochrom-C-Oxidase, wodurch die Produktion von ATP, dem Molekül, das die Zellen mit Energie versorgt, angeregt wird.
Dieser Wirkmechanismus ist im Zusammenhang mit Long COVID besonders relevant. Wenn extreme Müdigkeit und Energiemangel zum Teil auf eine Störung der Mitochondrienfunktion zurückzuführen sind, dann stellt die Förderung der zellulären Energieproduktion einen vielversprechenden Ansatz dar, um das Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern.
Darüber hinaus wirken sich Rotlichtbehandlungen modulierend auf Entzündungsprozesse aus. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Photobiomodulation mit geringer Intensität dazu beiträgt, Entzündungsmarker im behandelten Gewebe zu senken. Für Menschen mit Long-COVID, die unter anhaltenden Entzündungen leiden, ist dieser Aspekt von nicht zu unterschätzender Bedeutung.
Die funktionelle Neurologie bietet einen weiteren Ansatz: Die transkranielle Photobiomodulation, bei der Licht direkt auf den Schädel gerichtet wird, zielt darauf ab, die Mikrozirkulation im Gehirn zu unterstützen und die Funktionsfähigkeit der Neuronen zu verbessern. In ersten Forschungsarbeiten wird dieser Ansatz untersucht, um „Brain Fog“ und kognitive Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit dem Long-COVID-Syndrom zu lindern.
Was Studien zur Photobiomodulation und zu Long COVID sagen
Es gibt zunehmend wissenschaftliche Erkenntnisse über den Einsatz der Photobiomodulation speziell bei Long-COVID, auch wenn sich die Forschung noch in einem frühen Stadium befindet.
Eine 2022 in „Photobiomodulation, Photomedicine, and Laser Surgery“ veröffentlichte Studie untersuchte die Wirkung von Behandlungen mit rotem und nahinfrarotem Licht bei Personen mit Post-COVID-Symptomen. Die Ergebnisse zeigten nach mehrwöchiger Behandlung eine Linderung der Müdigkeit und eine Verringerung bestimmter Entzündungsmarker. Die Autoren betonen die Notwendigkeit weiterer Forschung mit größeren Stichproben, kommen jedoch zu dem Schluss, dass dies ein vielversprechender Ansatz ist.
Andere Studien haben sich speziell mit kognitiven Störungen befasst. Die transkranielle Photobiomodulation, die bereits im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Alzheimer oder Schädel-Hirn-Traumata untersucht wurde, zeigt vielversprechende Wirkungen auf die geistige Klarheit und die Konzentrationsfähigkeit. Bei der Anwendung auf die kognitiven Störungen im Zusammenhang mit Long COVID stellt sie einen Ansatz dar, den mehrere Forschungsteams im Bereich der funktionellen Neurologie nun ernsthaft zu untersuchen beginnen.
Was das autonome Nervensystem und das orthostatische Tachykardiesyndrom betrifft, so berichten einige klinische Beobachtungen von einer allmählichen Verbesserung des Herzrhythmus und einer besseren Belastbarkeit bei Personen, die regelmäßig an Photobiomodulationssitzungen teilgenommen haben. Diese Daten müssen zwar noch durch kontrollierte Studien bestätigt werden, wecken jedoch das Interesse der wissenschaftlichen Gemeinschaft.
Es ist anzumerken, dass die Forschung zum Post-COVID-Syndrom insgesamt noch in den Kinderschuhen steckt. Das Syndrom selbst wurde erst vor kurzem beschrieben und benannt, und die entsprechenden Studien sind noch im Gange. Die Photobiomodulation ist Teil eines Forschungsfeldes, in dem mehrere Ansätze parallel untersucht werden.
Bei welchen Symptomen von Long COVID kann die Photobiomodulation Linderung verschaffen?
Ohne Anspruch auf eine allgemeingültige Antwort zu erheben, sind dies die Bereiche, in denen die Photobiomodulation am besten geeignet zu sein scheint, zum Wohlbefinden von Menschen mit Long-COVID beizutragen:
- Extreme Müdigkeit und Energiemangel: Durch die Stimulierung der ATP-Produktion in den Mitochondrien können Rotlichtbehandlungen dazu beitragen, den Energiestoffwechsel der Zellen zu unterstützen, der bei Post-COVID-Patienten häufig beeinträchtigt ist.
- Kognitive Beeinträchtigungen und „Brain Fog “: Die transkranielle Photobiomodulation zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns zu verbessern und die neuronalen Funktionen zu unterstützen, wobei sich positive Auswirkungen auf die Konzentration und die geistige Klarheit zeigen.
- Entzündungssymptome: Die Beeinflussung von Entzündungsprozessen durch Wellenlängen geringer Intensität kann dazu beitragen, Beschwerden im Zusammenhang mit Schmerzen und chronischer Müdigkeit zu lindern.
- Belastbarkeit: Einige Personen mit orthostatischem Tachykardiesyndrom berichten von einer allmählichen Verbesserung ihrer Belastbarkeit nach regelmäßigen Trainingseinheiten.
Jeder Weg ist individuell, und die Begleitung durch einen kompetenten Fachmann ist unerlässlich, um die Sitzungen an die spezifischen Bedürfnisse jedes Einzelnen anzupassen.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Photobiomodulation für Menschen mit Long COVID geeignet?
Die Photobiomodulation ist ein nicht-invasiver Wellness-Ansatz, bei dem Lichtwellenlängen im roten und nahen Infrarotbereich mit geringer Intensität zum Einsatz kommen. Abgesehen von bestimmten Situationen, die von Fall zu Fall zu beurteilen sind, gibt es keine wesentlichen Kontraindikationen für Menschen mit Long-COVID. Dank ihrer sehr guten Verträglichkeit ist sie eine leicht zugängliche Option zur Unterstützung der Behandlung von Post-COVID-Symptomen.
Wie viele Sitzungen sind erforderlich, um eine Wirkung zu erzielen?
Die vorliegenden Studien und Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass mindestens mehrere Wochen regelmäßiger Sitzungen erforderlich sind, um Auswirkungen auf Müdigkeit, kognitive Beeinträchtigungen oder den Herzrhythmus feststellen zu können. Die Häufigkeit und Dauer der Sitzungen variieren je nach Person und den angestrebten Wohlfühlzielen.
Wirkt sich die Photobiomodulation auf den „Brain Fog“ bei Long COVID aus?
Die transkranielle Photobiomodulation wirkt direkt auf die Mikrozirkulation und den Stoffwechsel im Gehirn. Mehrere Studien aus der funktionellen Neurologie belegen positive Auswirkungen auf die geistige Klarheit und die Konzentrationsfähigkeit. Dieser Ansatz, der speziell auf den „Brain Fog“ bei Long COVID angewendet wird, ist Gegenstand laufender Studien, deren Ergebnisse mit Spannung erwartet werden.
Kann POTS durch Photobiomodulation gelindert werden?
Das bei einigen Patienten mit Long-COVID beobachtete orthostatische Tachykardiesyndrom deutet auf eine Dysregulation des autonomen Nervensystems hin. Einige klinische Beobachtungen berichten von einer Verbesserung des Herzrhythmus und der Belastbarkeit. Diese Daten müssen zwar noch durch kontrollierte Studien bestätigt werden, stellen jedoch einen ernstzunehmenden Ansatz dar.
Gibt es Kontraindikationen für die Photobiomodulation?
Die Photobiomodulation mit geringer Intensität wird im Allgemeinen gut vertragen. Dennoch sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten: direkte Bestrahlung der Augen durch die Dioden, Bereiche mit bestimmten Erkrankungen oder die Anwendung während der Schwangerschaft. Eine vorherige Beratung durch einen Fachmann ermöglicht es, die Sitzungen sicher anzupassen.
Das rote Licht – eine Möglichkeit, die es ernsthaft zu prüfen gilt
Long COVID stellt Millionen von Menschen vor anhaltende Herausforderungen, und die Suche nach Lösungen für einen besseren Umgang mit den alltäglichen Symptomen bleibt eine Priorität. Die Photobiomodulation bietet durch ihre Wirkung auf die Zellenergie, Entzündungsprozesse und die funktionelle Neurologie einen ergänzenden Ansatz für das Wohlbefinden, den die Forschung nun ernsthaft zu dokumentieren beginnt. Auch wenn es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine endgültigen Antworten gibt, ist der aktuelle Stand der Dinge ermutigend, und künftige Studien werden fundiertere Daten liefern, um den Betroffenen Orientierung zu geben.
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